Samstag, 23. August 2008

Canonicals neue Namenspolitik

Wie ich kürzlich aus dem ubuntuusers.de-Forum (Forumthread) erfahren habe, hat Canonical, die Firma hinter Ubuntu, eine neue Namenspolitik verabschiedet, die es nicht gestattet, "buntu" im Namen anderer Projekte oder Firmen zu nutzen, oder zumindest verlangt, sich für eine solche Nutzung eine entsprechende Erlaubnis bei Canonical selbst einzuholen. Die ersten Auswirkungen dieser Namenspolitik sind, dass die Projekte Ubuland und Playbuntu nun ihre Namen ändern müssen.

Ich finde, eine solche Politik seitens Canonical grenzt schon beinahe an Verrat - an Ubuntus eigenen Idealen Freiheit, Offenheit und Menschlichkeit. Durch die neue Namenspolitik werden Projekte, die sich speziell an Ubuntuanwender richten so wie das oben genannte Playbuntu, eine extra für Ubuntu ausgerichtete Repository mit Spielen , zu einem Namenswechsel gezwungen - angeblich, weil Ubuntu dadurch die Unverwechselbarkeit des eigenen Namens gewährleisten möchte. Aber ist das denn ein angemessener Dank an ein Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, Ubuntu noch besser und benutzerfreundlicher zu gestalten? Es grenzt ja schon an Ironie, dass getdeb.net Ubuntus Mutterdistribution Debian nachahmend "getdeb" heißt, obwohl die Pakete, die getdeb zur Verfügung stellt, extra für Ubuntu konzipiert sind.

Es ist leider ein allzu deutlicher Trend, dass Opensource-Projekte ab einer bestimmten Entwicklungsstufe plötzlich nur noch gewinnorientiert agieren und restriktive Politik betreiben, ob es um den Namen oder ums Logo geht. Vor einiger Zeit hat die Mozilla Foundation es vorgemacht - und rief Iceweasel, Icedove und Iceape ins Leben, Debians freie Äquivalente zu Firefox, Thunderbird und Mozilla/Seamonkey (siehe Wiki). Nun scheint Canonical und somit Ubuntu mitzuziehen - eine bedauernswerte Entwicklung.

An sich ist diese neue Namenspolitik nichts besorgniserregendes. Aber sie setzt ein deutliches Zeichen dafür, wohin die Entwicklung der nächsten Jahre gehen könnte, in eine Richtung, in die ein Projekt wie Ubuntu nie gehen darf.

Debian wird oft dafür kritisiert, dass es zu konservativ ist. Auch in dem oben erwähnten Streit mit Mozilla schien die Position von Debian sturköpfig. Aber gerade in Distributionen mit so einer kompromisslosen Haltung, die nicht bei solchen juristischen Spielchen mitmachen, sehe ich die Zukunft von Linux und Freier Software!

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